Mitgliederschwund bei den Gewerkschaften in Österreich und Europa

Nicht, dass Gewerkschaften keine Funktion in unserem Wirtschaftsleben hätten, sind sie doch freiwillige Berufsvereinigungen, ganz im Gegensatz etwa zur Pflichtmitgliedschaft bei den Kammern. Die Arbeiterkammer wäre übrigens von Gesetzes wegen berechtigt Kollektivverträge abzuschließen. Eigentlich selbstverständlich, da 100 % der Arbeitnehmerinnen dort auch zwangsweise Mitglied sein müssen.


Allerdings hat das Obereinigungsamt im September 1947 dem Österreichischen Gewerkschaftsbund die Kollektivvertragsfähigkeit zuerkannt, während auf der Seite der Arbeitgeber die Wirtschaftskammer weiterhin Kollektivvertragspartner ist. Damals wahrscheinlich ein ganz normale Situation, waren die Arbeitnehmerinnen zum überwiegenden Teil auch gewerkschaftlich organisiert.


Die Frage ist also, warum der Österreichische Gewerkschaftsbund die Kollektivverträge für die Arbeitnehmerinnen verhandelt, obwohl nur 25 % von den Arbeitnehmerinnen den ÖGB als seine Vertretung sieht? Überdies werden aber auch nicht für alle Arbeitnehmerinnen Kollektivverträge verhandelt. Kleinere Berufsgruppe, die schlecht organisiert und damit wenige Gewerkschaftsmitglieder stellen, sind für den ÖGB auch für Kollektivverträge uninteressant sind. Kollektivverträge werden damit einfach nicht verhandelt obwohl diese Arbeitnehmerinnen Pflichtmitglieder bei der Arbeiterkammer wären.
Ein für eine moderne Wirtschaft unhaltbarer Zustand, der erhebliche Ungleichheiten schafft und wohl nur die längst überkommene Institution der Sozialpartnerschaft am Leben halten soll. Vielfach leider auf Kosten der Arbeitnehmerinnen! Wie lange glaubt man diese Situation, trotz seit Jahren sinkender Mitgliederzahlen, weiter aufrecht halten zu können?


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