Steuersenkungen auf Einkommen: Nur ein Teil der Steuerwahrheit in Österreich.

Interessant, dass im laufenden Nationalratswahlkampf allerorts Steuersenkungen versprochen werden, die insbesondere die „Leistungsträger“, die „Mittelschicht“ oder die „kleinen Einkommen“ entlasten sollen.
Allerdings ist das gesamte Steuer- und Abgabenaufkommen in Österreich nur zu einem kleinen Teil aus den Einkommen selbst finanziert. Nur 35 % der Einnahmen des Staates stammen aus Lohn und Einkommen und werden damit mit steigenden Steuersätzen belegt, sodass theoretisch die Höherverdiener auch mehr zum Staatshaushalt beitragen.

Theoretisch deshalb, weil alle anderen Steuern nicht nach Einkommen differenziert sind. Die Umsatzsteuer ist für jedes Produkt fix, egal ob man Klein- oder Großverdiener ist. Und genau hier fängt das Problem der teuren Wahlversprechen schon an: Werden die lohn- und einkommensabhängigen Steuern gesenkt, betrifft dies nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Besteuerungsgrundlagen.
Noch schlimmer, wenn man die Sozialabgaben auch in diese Berechnung einbezieht: Hier sinken die Gesamtabgaben nämlich mit steigendem Einkommen. Damit bezahlten die reichsten 10 % sogar weniger Steuern und Abgaben, als die Klein- und Mittelverdiener. Überhaupt ist die Steuerdifferenzierung in Österreich damit sehr überschaubar, weshalb die großen Versprechungen jedenfalls immer mit Skepsis gesehen werden sollten: Profitieren werden davon immer wieder die größeren Einkommen, während die kleineren massiv von den indirekten Steuern gleich belastet werden.

Viel besser als Lohn- und Einkommensteuern zu senken und die Staatseinnahmen massiv zu reduzieren, wäre es die Sozialabgaben und die indirekten Steuern in diese Betrachtung miteinzubeziehen. Dann kann man wirklich jene Zielgruppen entlasten, die es ganz dringend benötigen würden: Die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen nämlich!

Übrigens ist genau diese Steuer- und Abgabenwirkung der indirekten Steuern das Problem, wenn man zum Beispiel auf Umweltsteuern setzen möchte: Die kleinen Einkommen werden überproportional belastet, während sie für die Spitzeneinkommen ein Schnäppchen werden.

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Grafik: Der Standard